
Werte
.
Hier kannst du „Focusing for Life“ tiefer kennenlernen:
Was uns im Grunde motiviert, ist die Leidenschaft für das Leben. Deswegen „Focusing for Life“
Lebendige Systeme regulieren und organisieren sich selbst. Sie haben in sich die Tendenz, energieaufwändige Zustände von Inkohärenz (Nicht-Stimmigkeit) in weniger energieaufwändige kohärente Zustände überführen zu wollen. Diesem Prinzip sind wir verpflichtet.
Wir hören zu, schauen hin, lassen „Freiraum“ und akzeptieren von Moment zu Moment, dass wir nicht wissen, wie der Prozess weitergehen möchte.
Im akzeptierend-absichtslos-aufmerksamen stillen Da-Sein liegt eine große Kraft, die nicht als passive Untätigkeit oder Gleichgültigkeit missverstanden werden darf, sondern sich im Gegenteil manifestiert im aktiven Mitgehen mit dem, was von selbst geschieht. Wird schon in den uralten daoistischen Texten als „Wu Wei“ (Handeln durch Nicht-Tun) beschrieben, dessen Ursprung „Ziran“ (das Natürliche, das Spontane) ist. „Ziran“ bedeutet „das, was von selbst geschieht“. (die dynamische Selbstorganisation des Lebendigen. Siehe z.B. „Der Lauf des Wassers“ von Alan Watts, Suhrkamp-Verlag 1983). Die gesammelte absichtslose Aufmerksamkeit des Focusing-Facilitators ermöglicht und unterstützt, was „von selbst“ geschehen möchte. Diese Grundhaltung erfordert den bewussten Verzicht auf eigene Vorstellungen und Konzepte und oft auch den Mut, dem was sich zeigt, einigermaßen furchtlos zu begegnen.
Kontakt ist für uns wichtiger als Methode.
Wer (Potential-)Entfaltungsprozesse unterstützen möchte, braucht, ergänzend zu einer akzeptierend-absichtslos-aufmerksamen Geistes- und Gemütsverfassung auch konkretes Handwerkszeug. Es macht Sinn, eine gewisse Kunstfertigkeit in der Anwendung dieser „skills“ und „tools“ zu entwickeln. Das ist ein Lernprozess, der nicht mit ein paar Workshops erledigt werden kann.
Wichtiges Prinzip unserer Arbeit: Die Qualität des gegenwärtigen Kontakts ist vorrangig. Wenn die zwischenmenschliche Beziehung in irgendeiner Weise kontaminiert ist, empfiehlt es sich, die „skills“ und „tools“ aus der Hand zu legen – in dem Bewusstsein, dass jede noch so gut gemeinte methodisch saubere „Intervention“ sich schädlich auswirken kann, wenn der Kontakt gestört ist. Wenn sich jedoch eine achtsame Beziehungsqualität etablieren kann, liegt allein darin ein großes Gesundungspotential. Die Befunde z.B. der empirischen Psychotherapieforschung, der modernen Neurobiologie und der Psychoneuroimmunologie sind an dieser Stelle eindeutig.
Gutes Geld ist gut, gute Beziehungen sind unbezahlbar.
Die Arbeit in „Focusing for Life“ dient auch unserem Lebensunterhalt, d.h. wir wollen mit unseren Angeboten auch Geld verdienen. Wir wollen uns aber nicht bereichern. Deswegen haben wir eine Kalkulation unserer Seminargebühren gemacht, die möglichst allen Interessent:innen die Teilnahme gestattet: 1. Wir legen bei der Seminarplanung fest, was wir verdienen wollen, damit es für uns stimmt. 2. Wir staffeln die Kursgebühr nach Selbsteinschätzung des monatlichen Netto-Einkommens (und vertrauen auf die Aufrichtigkeit unserer Teilnehmer:innen). 3. Wir bitten um frühzeitige Anmeldung, damit wir gut planen können. 4. Wenn unsere kalkulierte Seminareinnahme überschritten wird, können wir Teilnehmer:innen mit extrem niedrigem Einkommen einen Seminarplatz anbieten, evtl. sogar schenken.
Ganz grundsätzlich: Lebewesen sind keine Maschinen. Lebewesen sind Wechselwirkungen. Wir betrachten das menschliche Lebewesen nicht atomistisch, auch nicht „ganzheitlich“, sondern haben das Hauptaugenmerk auf den (Lebens-)Prozessen.
Philosophische Randbemerkung:
Die „Moderne“ („Aufklärung“, Rationalität, naturwissenschaftlich ausgerichtete Forschung, Suche nach immer kleineren „Einheiten“, Differenzierung, Maschinen, Computer, KI…) hat, wie alles, eine Kehrseite (Schattenseite): Verlust der Verbundenheitserfahrung, Trennung, Spaltung, Isolation, Entfremdung. „Man kann eine Maschine in ihre Einzelteile zerlegen und sie dann wieder zusammenbauen. Mit einem Lebewesen kann man das nicht machen.“ (Gerald Hüther, mündliche Mitteilung). Damit wollen wir die immensen Fortschritte, die uns die „Moderne“ gebracht nicht schmälern oder entwerten -z.B. in der Medizin oder in der Informationstechnologie. Was wir ablehnen ist lediglich die ideologische Einseitigkeit und Absolutheit dieser Weltanschauung.
Die „Postmoderne“ erklärt die philosophischen Systeme („Erzählungen“, „Narrative“) der „Moderne“ für gescheitert, weil sie im Kern nur ein einziges, allgemein gültiges Erklärungsprinzip zulassen („Gott“, „Subjekt“, „Vernunft“, „marxistische Gesellschaftstheorie“, „Markt“, „null-eins“…) und dadurch letztlich die Vielfalt von „Erzählungen“ nicht gelten lassen können. Die Kehrseite (Schattenseite) der „Postmoderne“: Beliebigkeit der „Erzählungen“ („Sprachspiele“) und Verlust von Konsens und Kohärenz.
Die Prozess-Philosophie des Focusing-Begründers Eugene T. Gendlin charakterisiert sich selbst als eine Philosophie nach der Postmoderne („After-Postmodernism“). Es handelt sich dabei um eine „aktuelle philosophische Richtung, die die Positionen der „Moderne“ (Primat der Vernunft) und der Postmoderne (über die Sprache komme man nicht hinaus, alles sei daher relativ und beliebig, folglich könne man eigentlich gar nichts sagen) überwinden möchte. Eugene T. Gendlin, als einer ihrer wichtigsten Vertreter, versteht das noch nicht (sprachlich) geformte, körperliche Erleben als über die Formen (Logik, Sprache) hinausgehend; es trägt zwar implizit die alten Formen in sich, ist aber immer mehr als diese; dieser „Überschuss“ (Felt Sense) ist nicht ungeordnet, sondern kann auf wohlgeordnete, aber nicht vorgeformte Weise mit Symbolen (z. B. Worten, Konzepten) interagieren. Daraus ergeben sich nicht-logische, aber dennoch kontinuierliche und nicht-willkürliche Schritte des Denkens, Sprechens und Handelns, die zugleich Heilungsschritte sind.“ (J. Wiltschko, in: Wörterbuch der Psychotherapie, Springer-Verlag 2000). Mehr dazu im Tab „Die Theorie“). Spitzfindige Zusatzfrage: Und was kommt jetzt dann nach dem „After-Postmodernism?“ Die „Metamoderne“?